Sonntag, 10.05.2026 | 19:00 Uhr
Dreieinigkeitskirche Gostenhof
Programm
Ralph Vaughan Williams
The Wasps – Ouvertüre
Gustav Holst
A Somerset Rhapsody, op. 21
„Jupiter“ aus „Die Planeten“, op. 32
Edward Elgar
Pomp and Circumstance Nr. 4 G-Dur, op. 39
Enigma Variationen, op. 36
Mitwirkende
Dirigent: Florian Grieshammer
Collegium Musicum Nürnberg
Eintritt frei – Spenden willkommen

Veranstaltungsort
Dreieinigkeitskirche
Glockendonstraße 15
90429 Nürnberg
Über das Programm
Texte von Tanja Ramsauer
The Wasps – Ralph Vaughan Williams
„The Wasps“ (Die Wespen) entstand im Jahr 1909: Vaughan Williams wurde gebeten, die Bühnenmusik für eine Aufführung der antiken Komödie „Die Wespen“ von Aristophanes zu schreiben. Das Stück ist eine bissige Kritik am athenischen Rechtssystem.
Die ursprüngliche Musik für das Theaterstück war sehr umfangreich (etwa 105 Minuten) und umfasste neben dem Orchester auch Gesangssolisten und einen Chor. Da das gesamte Werk selten aufgeführt wurde, stellte Vaughan Williams 1912 eine fünfsätzige Orchester-Suite zusammen. Wir spielen die Overture (Ouvertüre).
Zu welcher musikalischen Illustration der Titel führte, wird bereits in den ersten Takten hör- und fast fühlbar. Es folgt ein quirliges, pentatonisches Hauptthema. Der Mittelteil ist deutlich lyrischer und ruhiger gehalten, bevor das Stück mit einer schwungvollen Reprise endet.
A Somerset Rhapsody (1906) – Gustav Holst
Holst betrachtete die Uraufführung der revidierten Fassung im Jahr 1910 in der Queen’s Hall als seinen ersten echten Erfolg als Komponist, zuvor hatte er oft mit Misserfolgen zu kämpfen.
Bevor er sich der Volksmusik zuwandte, war Holst stark von Richard Wagner beeinflusst. Nachdem er jedoch die dem Werk zugrundeliegende Volksliedsammlungen seines Freundes Cecil Sharp (dem das Werk auch gewidmet ist) studiert hatte, nannte er seine eigene frühere Oper Sita verächtlich „gutes altes wagnerianisches Geplärr“. Die Rhapsody markiert seinen Wandel hin zu einem eigenständigen, englischen Stil.
Vier Volkslieder suchte Holst aus Sharps Sammlung aus: Sheep-Shearing Song («Das Lied der Schafscherer»), High Germany (ein Soldatenlied über die Kontinentalkriege des 18. Jahrhunderts), The True Lovers Farewell («Der Abschied des getreuen Liebhabers», ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert) und The Cuckoo («Der Kuckuck»). Statt jedoch die Melodien einer thematisch-motivischen Arbeit zu unterziehen, ließ Holst jedes Lied für sich sprechen und sich mit den anderen polyphon kombinieren, wobei sich die einzelnen Lieder im Verlauf des Stücks jeweils in den Vordergrund drängen und wieder verschwinden durften.
Bedeutsam war außerdem seine Entdeckung der dorischen und äolischen Tonarten, die wegen des fehlenden Leittons eine neuartige, nichtfunktionelle Harmonik erforderlich machten. Mit diesen beiden Entdeckungen gewappnet war Holst nunmehr bereit, den Personalstil zu entwickeln, der ihm eine ureigene Stimme in der britischen Musikwelt verleihen sollte.
Pomp and Circumstance March No. 4 – Edward Elgar
Es ist eines der bekanntesten Werke des britischen Komponisten Edward Elgar. Er wurde am 7. Juni 1907 fertiggestellt und am 24. August desselben Jahres in der Londoner Queen’s Hall unter der Leitung von Elgar selbst uraufgeführt. Der Marsch gilt als ebenso feierlich und optimistisch wie der berühmte erste Marsch der Serie. Er zeichnet sich durch eine besonders lyrische Trio-Melodie aus.
Royale Bedeutung: Das Stück wurde als Auszugsmusik bei bedeutenden Anlässen gespielt, darunter bei der Hochzeit von Prinz Charles und Lady Diana (1981), der Krönung von König Charles III. (2023).
Besonders der erste Marsch hat eine interessante Geschichte: Elgar war sich der Genialität des Trios von Marsch Nr. 1 sofort bewusst: „Ich habe eine Melodie, die einen nur einmal im Leben anspringt.“ Bei der Uraufführung in der Londoner Queen’s Hall 1901 rastete das Publikum förmlich aus, die Leute sprangen auf und schrien vor Begeisterung. Dirigent Sir Henry Wood musste das Stück dreimal spielen, bevor er mit dem restlichen Konzert fortfahren konnte.
Dass der Marsch bei fast jeder US-Abschlussfeier gespielt wird, liegt an einer Ehrendoktorwürde für Elgar an der Yale University 1905. Dort wurde das Stück zu seinen Ehren gespielt, und andere Universitäten übernahmen die Tradition prompt.
Jupiter – Gustav Holst
In Gustav Holsts Orchestersuite „Die Planeten“ (entstanden 1914 – 1917) trägt der vierte Satz den Titel „Jupiter, der Bringer der Fröhlichkeit“ (Jupiter, the Bringer of Jollity).
Der schwungvolle, tänzerischen Beginn (Allegro giocoso), der durch Synkopen und schnelle Streicherläufe eine enorme Energie freisetzt, wird von einem langsamen, majestätischen Thema im Mittelteil (Andante maestoso) abgelöst, das auch über die Suite hinaus Bekanntheit erlangte: Holst verwendete diese Melodie 1921 für die Vertonung des Gedichtes „I Vow to Thee, My Country“, die zu einer der wichtigsten patriotischen Hymnen des Vereinigten Königreichs wurde – unter anderem bei den Trauerfeier für Prinzessin Diana und Queen Elizabeth Il. gespielt.
Enigma – Edward Elgar
Enigma stammt aus dem Griechischen („ainigma“) und bedeutet schlicht „Rätsel“. Das Werk ist ein musikalisches Fotoalbum von Elgars engstem Kreis. Jede Variation fängt eine spezifische Eigenheit oder eine gemeinsame Erinnerung ein.
Das Rätsel bestand für das zeitgenössische Publikum darin, welche Freunde sich hinter den Initialen und Spitznamen der 14 Variationen verbargen:
I. – C.A.E. (Caroline Alice Elgar): Seine Ehefrau. Die Musik ist zart und liebevoll. Elgar integrierte ein viertöniges Motiv, das er pfiff, wenn er nach Hause kam.
II. – H.D.S.-P. (Hew David Steuart Powell): Ein Pianist mit dem Elgar oft Kammermusik spielte: Stockender Beginn, dann flüssiger. Kleine „Fehler-Andeutung“: wie jemand, der sich am Klavier einspielt.
III. – R.B.T. (Richard Baxter Townshend): Ein Amateur Schauspieler, der seine Stimme extrem hoch oder tief verstellen konnte. Die Musik spielt mit diesen extremen Register der Holzbläser.
IV. – W.M.B. (William Meath Baker): Ein Gutsbesitzer, der für sein energisches Auftreten bekannt war. Die Variation ist kurz und stürmisch.
V. – R.P.A. (Richard Penrose Arnold): Ein Dichter-Sohn – Die Musik ist nachdenklich und wechselt zwischen Ernsthaftigkeit und plötzlichem Lachen.
Vl. – Ysobel (label Fitton): Eine Bratschenschülerin Elgars. Das Stück betont die Viola und spielt auf ihre „statueske Schönheit“ an.
VlI. – Troyte (Arthur Troyte Griffith): Ein Architekt, enger Freund und eher ungeschickter Klavierschüler. Die ungestümen Pauken erinner an ein Gewitter, das die Beiden beim Spaziergang überraschte. Der wilde Rhythmus imitiert seine unbeholfenen Versuche, Klavier zu spielen.
VllI. (W.N.) (Winifred Norbury): Eine Freundin mit einem herzlichen, lachenden Wesen. Die Variation ist anmutig und endet mit einem ang ausgehaltenen Geigenton.
IX. – Nimrod (August Johannes Jaeger): Die berühmteste Variation. „Nimrod“ (der biblische Jäger) ist ein Wortspiel auf den Namen Jaeger. Sie beschreibt ein tiefgründiges Gespräch über Beethovens langsame Sätze.
X. – Dorabella (Dora Penny): Eine junge Freundin mit einem leichten Sprachfehler (Stottern), der in der tänzerischen, „wispernden“ Musik der Holzbläser liebevoll nachempfunden wird.
Xl. – G.R.S. (George Robertson Sinclair): Der Organist der Kathedrale von Hereford. Die Variation beschreibt jedoch eigentlich seinen Hund „Dan“, der in einen Fluss fällt, ans Ufer paddelt und dort laut bellt.
XlI. – B.G.N. (Basil G. Nevinson): Ein Cellist. Entsprechend wird diese Variation von einem sehnsüchtigen Cello-Solo getragen.
XIII. – „…“ (Lady Mary Lygon): Elgar nante keinen Namen, da sich die Dame auf einer Seereise nach Australien befand. Er zitiert Mendelssohns „Meeresstille und glückliche Fahrt“, während die Pauken das ferne Dröhnen von Schiffsmotoren imitieren.
XIV. – E.D.U. (Edward Elgar): Ein triumphales Selbstporträt („Edu“ war der Kosename seiner Frau für ihn). Es fasst das Werk zusammen und zitiert emeut die Themen von C.A.E. und Nimrod als die wichtigsten Einflüsse in seinem Leben.
